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Autofinanzierung per Bankkredit oder Leasing? Der Überblick

13. Oktober 2022

Lesedauer: Minuten

Autofinanzierung per Bankkredit oder Leasing? Der Überblick

Bernhard Bircher-Suits

Bernhard Bircher-Suits

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Du hast dein Traumauto gefunden, doch nicht das nötige Kleingeld dafür auf der Seite? Das muss dich nicht davon abhalten, ein neues Auto zu fahren.

Gemäss Bundesamt für Statistik kurvten Ende 2020 rund 4,7 Millionen Personenwagen auf Schweizer Strassen herum. Ein Grossteil dieser Fahrzeuge wurde nicht mit Erspartem gekauft, sondern auf Pump mit einem Kredit oder einem Leasingvertrag. Zahlen des Schweizerischer Leasingverband SLV zeigen: allein im Jahr 2020 wurden rund 260’000 neue Leasing-Verträge abgeschlossen. In der Schweiz ist ein Autokauf ohne Erspartes somit die Regel und nicht die Ausnahme – für Neuwagen wie auch hochpreisige Occasionen. Hierzulande werden je nach Automarke und -modell bis zu drei Viertel aller Neuwagen über Leasingverträge finanziert. Doch welche Finanzierung kommt für dich in Frage und was sind die Vor- und Nachteile dieser Optionen?

Barkauf: die günstigste Variante

Ein Barkauf ist für einen finanzstarken Käufer dank Barzahler-Rabatten in der Regel die günstigste Option – vor allem bei einer Haltedauer von mehr als sechs Jahren. Der Grund: Der Wertverlust eines Neuwagens ist vor allem in den ersten drei Jahren sehr hoch. Es ist finanziell – und auch ökologisch – betrachtet nicht sinnvoll, ein Auto zu kaufen und es nach nur zwei bis drei Jahren mit einem hohen Wertverlust wieder zu verkaufen. Beim Barkauf wirst du Eigentümer:in des Wagens. Du kannst die Ausstattung und Versicherung daher frei wählen. Der Haken beim Barkauf: Du musst den Gesamtpreis des Fahrzeugs in flüssigen Mitteln verfügbar haben. 

Autofinanzierung mit Kredit

Wer trotz Loch im Portemonnaie ein Auto viele Jahre als Eigentümer fahren möchte, kann einen Konsumkredit ins Auge fassen. Die Höhe der Zinsen und Kosten hängen vom Kreditgeber sowie von der eigenen Zahlungsfähigkeit (Bonität) ab. Der Pluspunkt: Der Neuwagen geht wie beim Barkauf in dein Eigentum über und du kannst allenfalls Barzahler-Rabatte herausholen. Ausserdem kannst du auch mit der Kreditvariante die Ausstattung und Versicherung deines Autos frei wählen. 

Welche Auflagen gibt es bei der Finanzierung auf Kredit?

Ob Konsumkredit oder Leasingvertrag: Wer offene Betreibungen, Verlustscheine oder schlicht keinen regulären Job hat, wird bei seriösen Kreditinstituten ins Leere laufen. Im Rahmen einer Kreditfähigkeitsprüfung muss der Kreditgeber von Gesetzes wegen folgende Budgetpunkte unter die Lupe nehmen:

  • Mietzins/Wohnkosten
  • Steuern
  • Verpflichtungen, die bei der Informationsstelle für Konsumkredit (IKO) gemeldet sind, wie zum Beispiel laufende Kredite und Leasings.

Tipp: Wenn du dein Fahrzeug mit einem Kredit finanzierst, solltest du auf jeden Fall eine grössere Reserve im Haushalts-Budget einplanen und das Fahrzeug mit einer günstigen Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung mit eventuell grossem Selbstbehalt versichern.

So funktioniert Leasing

Leasing heisst: Der Leasinggeber überlässt dem Leasingnehmenden sein Auto für eine bestimmte Zeit zu einem vereinbarten Kreditzins. Wichtig: Das Fahrzeug gehört dabei dem Leasing-Unternehmen. Der Leasingnehmende darf das Auto lediglich während der vereinbarten Dauer und unter bestimmten Auflagen nutzen. 

Nach Ablauf der Vertragsdauer – meist sind es 12 bis 60 Monate – gibt es zwei Optionen: Du kannst den Wagen entweder an die Leasingfirma zurückgeben oder ihn je nach Vereinbarung zum abgemachten Restwert kaufen.

Ein Leasing ähnelt der Automiete. Der grosse Unterschied: Beim klassischen Leasing zahlst du als Leasingnehmer*in die monatlichen Zinskosten für den Kredit und die Unterhaltskosten wie Reparaturen oder Reifenwechsel. Bei einer Automiete werden diese Aufwände in der Regel vom Vermieter übernommen. 

Die verschiedenen Leasingvarianten

Eine verbreitete Variante ist das Auto-Leasing mit Kilometerbegrenzung. Im Vertrag werden die Laufzeit und die voraussichtlichen Kilometer während der Vertragsdauer festgelegt. Bei Vertragsende kann der Leasingnehmende das Auto bei vertragsgemässer Nutzung ohne weitere Zahlung zurückgeben. Mehr- oder Minderkilometer werden zu einem vereinbarten Satz abgerechnet. Meist sind es zwischen 10 und 20 Rappen pro Kilometer. 


Beim Restwert-Leasing wird beim Vertragsabschluss der Berechnung der Leasingraten ein bestimmter Restwert zugrunde gelegt. Am Ende der Laufzeit wird der tatsächliche Wert ermittelt. Die Preisdifferenz muss der Leasingnehmende ausgleichen. Je nach Pflege und Zustand des Wagens droht dann eventuell ein böses Erwachen.

«Full-Leasing» oder «Leasing-Plus-Angebote» sind Service-Leasingpakete, mit denen du Service-Fixkosten, die im Laufe des Leasings ohnehin anfallen, direkt in deine Rate mit einschliessen kannst. Die Rate ist meist höher als bei einem klassischen Leasing, bei dem Service und Reparaturen sowie Versicherung nicht im Preis mit dabei sind.

Welche Auflagen gibt es beim Leasing?

Als Leasingnehmer:in bist du Mieter:in des Fahrzeugs. Als solche:r hast du die Verpflichtung, neben der obligatorischen Haftpflichtversicherung auch eine Vollkaskoversicherung abzuschliessen. In der Regel muss man ein geleastes Fahrzeug in eine bestimmte Garage in den Service bringen. Zudem darf man nur eine bestimmte Anzahl Kilometer pro Jahr fahren. Auch Extras wie Winterreifen sind meist separat zu bezahlen.

So berechnen Anbieter die Leasingrate

Die Berechnung der monatlichen Leasingraten hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören zum Beispiel der Preis des Fahrzeugs, die Höhe der Anzahlung und die Vertragslaufzeit. Der monatliche Leasingbetrag ist kleiner, als er beim Kredit wäre. Der Grund dafür sind tiefere Zinsen. Warum? Das Leasinginstitut bleibt Eigentümer des Fahrzeugs und hat daher mehr Sicherheit als ein Kreditinstitut, welches einer Privatperson Geld ohne Sicherheit ausleiht. Zudem zahlt man beim Leasing nur die Nutzungsdauer.


Ein Rechenbeispiel:
Der Neuwagen kostet 40’000 Franken. Bei einem Zinssatz von 5 Prozent und einer Vertragslaufzeit von 48 Monaten sowie einer Kilometerleistung von maximal 10’000 Kilometer pro Jahr und einer Anzahlung von 2’000 Franken, beträgt die monatliche Leasingrate 870 Franken. Die Kreditkosten betragen 3’900 Franken.

Die verschiedenen Finanzierungsarten im Überblick

Barkauf

  • Die günstigste Autofinanzierung ist immer der Kauf mit eigenen Barmitteln.
  • Du bist Eigentümer:in des Autos und kannst die Versicherung frei wählen.

Bankkredit

  • Ein Bankkredit ist teurer als ein Barkauf.
  • Du bist Eigentümer:in des Autos und kannst die Versicherung frei wählen.
  • Du hast über dein Fahrzeug die volle Gestaltungsfreiheit.
  • Ein Pluspunkt: Kreditzinsen können von der Steuer abgezogen werden.
  • Der Nachteil sind höhere Zinskosten.

Leasing

  • Ein Leasing eignet sich vor allem für zahlungskräftige Personen, die ihr Erspartes nicht ins Auto investieren möchten und zudem mit der Dienstleistung und den Versicherungen wenig zu tun haben wollen.
  • Ein Vorteil: Du benötigst kaum Erspartes.
  • Der Wagen bleibt bis zum Vertragsende Eigentum des Leasinggebers.
  • Full-Leasing-Angebote bieten eine höhere Kostentransparenz und sind Rundum-Sorglos-Pakete. 
  • Bei klassischen Leasing-Verträgen gilt es Reparaturpflichten, Rücknahmekosten sowie die Prämien für die obligatorische Vollkaskoversicherung nicht ausser Acht zu lassen. 
  • Bei der Betrachtung der Fahrzeugkosten sollte nicht nur die Leasingrate im Fokus stehen, sondern eine Gesamtrechnung aufgestellt werden.
Bernhard Bircher-Suits

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